Fachenglisch - Eine Einleitung
Neben den technischen IT-Themen müssen in IT-Abschlussprüfungen noch weitere Kenntnisse nachgewiesen werden, so z.B. WiSo, kaufmännisches Rechnen, Projektmanagement - aber auch Grundkenntnisse in Englisch. Das erwartete Niveau entspricht in etwa B1/B2, wobei jedoch der Schwierigkeitsgrad aus mehreren Gründen niedriger ist.
Bestandsaufnahme
Auch in der Erwachsenenbildung gibt es immer wieder mal Teilnehmer mit nur geringen bis überhaupt keinen Englischkenntnissen.
Dafür kann es verschiedene Gründe geben:
- Weil die Schulzeit zu lange zurückliegt und die Englischkenntnisse seitdem nur selten gefordert waren.
- Weil Teilnehmer noch zu DDR-Zeiten die Schule besucht haben, dort musste man Russisch statt Englisch lernen.
- Oder weil jemand aus einem anderen Land hinzugezogen ist. Gerade in den 90er Jahren saßen viele russische Spätaussiedler ohne Englischkenntnisse in meinen Kursen.
Mangelhafte Englischkenntnisse sind überhaupt nicht schlimm. Denn was die IHK von IT-Prüflingen verlangt, ist denkbar einfach und - sofern noch nicht vorhanden - relativ schnell angeeignet.
- Niemand muss in der IHK-Prüfung einen deutschen Text in die englische Sprache übersetzen.
- Und niemand wird einen englischen Text wortgetreu in die deutsche Sprache übersetzen müssen, es reichen immer sinngemäße Übersetzungen. Sie müssen nur technisch korrekt sein.
Was verlangt die IHK?
Die IHK möchte, dass ein ITler in der Lage ist, den Inhalt eines englischsprachigen technischen Dokuments zu verstehen und die entscheidenden Passagen sinngemäß in eigenen Worten wiederzugeben.
Geht man nach §3 Abs. 4 ProdSG (Produktsicherheitsgesetz) und der EU-Maschinenrichtlinie (2006/42/EG), wobei der Begriff "Maschine" hier sehr weit gefasst ist, muss es für Geräte, die in Deutschland in Verkehr gebracht werden, unabhängig vom Herkunftsland immer eine deutschsprachige Bedienungsanleitung geben. Und sei es als PDF-Download. Insofern darf es heute nicht mehr passieren, dass man ein neues technisches Gerät auspackt und nur noch eine englischsprachige Anleitung vorfindet.
Das macht Englischkenntnisse nicht unwichtig, denn als ITler sucht man sich immer wieder mal zusätzliche Informationen, Treiber oder spezielle Software über das Internet. Und dazu gibt es nun mal mehr englisch- als deutschsprachige Webseiten. Noch besser ist es natürlich, wenn man sich dann auch noch an einem Forum beteiligen und aktiv mitdiskutieren kann.
Wie gut muss man sein?
Zunächst einmal ist es sehr hilfreich, dass die meisten Fachbegriffe aus der IT ohnehin aus dem englischen Sprachraum stammen und bei uns ebenfalls bekannt sind. Zum Beispiel der Router, der Access Point, die Hard Disk, das Mainboard usw. Zusätzlich ist es von Nutzen, wenn man die exakte Übersetzung dieser Wörter kennt, so erklärt sich oft die Funktionsweise von selbst. Z.B. beim Repeater: Übersetzt heißt er "Wiederholer" und nicht "Verstärker".
Aber grundsätzlich reicht es aus, wenn man wichtige Fachbegriffe versteht und sich den Rest aus dem Zusammenhang mehr oder weniger zusammenreimen kann. Dann ist es gar nicht mehr schlimm, wenn im Text das eine oder andere völlig unbekannte englische Wort vorkommt.
Die IHK gibt übrigens auch schon mal Hilfestellungen, indem sie englische Wörter, die bei uns eher unbekannt sind, im Prüfungsbogen mit Übersetzung angibt.
Fachenglisch kann in der Prüfung ein leichter Punktefänger sein, Grund zur Sorge besteht hier nun wirklich nicht. Zumal Englischaufgaben immer nur einen geringen Teil der Prüfungaufgaben ausmachen.
Englisch ≠ Englisch!
Aufgepasst: Auch wer der englischen Sprache mächtig ist, kann plötzlich in eine unerwartete Falle tappen. Denn in der IT wird statt des in der Schule vermittelten britischen das amerikanische Englisch benutzt. Und da gibt es ein paar feine Unterschiede!
Ein Beispiel aus dem Webdesign:
Man kann in HTML Farben über einen entsprechenden Parameter definieren. Der erste Unterschied besteht schon mal darin, dass dieser Parameter für die Farbe (britisch "colour") in HTML ohne "u" geschrieben wird (amerikanisch "color").
Die Angabe color="#ff0000" bedeutet ein kräftiges Rot. Anstatt des Codes kann man auch das Farbwort verwenden: color="red". Das macht die Sache einfacher, kann aber zu Problemen führen.
Möchte man beispielsweise eine graue Färbung bewirken, könnte man folgende Angabe machen: color="grey". So haben wir das Wort in der Schule gelernt. Aber die Browser stellen das Grau nicht dar und ich habe sogar mal einen Fall erlebt, in dem statt einem Grau ein Grün dargestellt wurde.
Was war passiert?
Im britischen Englisch benutzt man das Wort "grey", im amerikanischen Englisch wird es jedoch "gray" geschrieben. Und so muss es auch in HTML benutzt werden.
Der beschriebene Fehler bestand nun darin, dass der damalige Browser das für ihn unbekannte Farbwort selbst interpretieren wollte. Da er eine Farbe mit den Anfangsbuchstaben "gre..." kannte (nämlich "green"), hat er einfach mal grün statt grau gefärbt.